Südafrika nach der WM
Die FIFA zieht eine positive Bilanz der Fußball-WM 2010 in Südafrika: Südafrika habe die organisatorischen Herausforderungen entgegen allen Befürchtungen gemeistert, die Infrastruktur wurde nachhaltig verbessert, und 16 Jahre nach dem offiziellen Ende der Apartheid präsentierte sich das WM-Gastland als geeinte Nation. Aber nützte die WM wirklich allen Südafrikanern? Und welche Bedeutung konnte die WM vor dem Hintergrund der sozialen Probleme im Gastland überhaupt gewinnen? Die AG Tübingen lud zu einer Podiumsdiskussion zu diesem Thema am 26. Oktober 2010 in die Tübinger Volkshochschule ein.
Unter der Moderation von Markus Herrmann diskutierten vier Südafrika-Kenner auf dem Podium: die Kulturwissenschaftlerin Katharina Fink, der Journalist Sven Ruhs, der Ethnologe Matthias Gruber und der Politikwissenschaftler Volquart Stoy.
Die Referenten berichteten von ihren persönlichen Eindrücken und ihrer journalistischen oder wissenschaftlichen Recherche im Zusammenhang mit der Fußball-WM. Die Heterogenität der südafrikanischen Gesellschaft und die Vielfalt der Lebenskulturen in Südafrika erschweren es, ein umfassendes Fazit zu ziehen. Einerseits bleiben leer stehende Hotels und verfallende Stadien als absurd wirkende Zeugnisse einer bombastischen Eventkultur zurück, andererseits brachte das Turnier für einige Wochen die Menschen in der noch immer von Ungleichheit geprägten Gesellschaft einander näher. So stimmten am Ende alle Teilnehmer in ihrem Urteil überein, dass die Ausrichtung der WM für Südafrika insgesamt einen Gewinn bedeutete. (Oliver Haller)

